Übergabe Gemeinschaftshaus Henglarn

Alte Schule in Henglarn Alte Schule in Henglarn Wo ein ganzes Dorf zupackt

Henglarner bauen ehemalige Schule zum
Gemeinschaftshaus um

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Marius Thöne (Text und Foto)
Henglarn (WV). Johannes Niggemeyer bestreicht die Unterseite der Holzkugel noch schnell mit Leim und klebt sie auf dem Treppengeländer fest. Die Kugel ist der Schlusspunkt eines Projekts. In sechs Jahren haben der 46-Jährige und viele weitere ehrenamtliche Helfer die alte Schule in Henglarn zu einem Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. An diesem Sonntag wird das Gebäude offiziell seiner Bestimmung übergeben. Beginn ist um 10.30 Uhr mit dem Hochamt. Anschließend Tag der offenen Tür.

Die Kabeltrommel ist eingerollt und die Bohrmaschine hat ihren Platz im Koffer gefunden. Es sieht so aus, als hätten sie es geschafft. Fünf Männer stehen in Arbeitskleidung im Treppenhaus des ehemaligen Schulgebäudes. In den vergangenen Jahren haben sie hier oft bis in die Nacht gearbeitet. »Eigentlich hat das ganze Dorf mit angepackt«, erzählt Hans-Georg Kahmen, kommissarischer Vorsitzender des Heimatvereins. Sechs Jahre und 5000 Arbeitsstunden hat es von der ersten Planung bis zur Fertigstellung gedauert.

Es ist eine Unterkunft für alle Henglarner Vereine entstanden. In einem ehemaligen Klassenzimmer wurde ein Mehrzweckraum eingerichtet. Hier proben Chor, Musikverein und Tanzkreis. Eine spezielle Akustikdecke sorgt für den richtigen Klang. Der Raum mit Leinwand kann auch für Vorträge genutzt werden. Die Sanierung des Klassenraumes ist aus einem Dorfentwicklungsprogramm gefördert worden.

Die Stadt Lichtenau (Co-Finanzierung) und die Europäische Union im Zuge der Förderung LEADER+ (LEADER-Region Südliches Paderborner Land) teilen sich die Kosten in Höhe von je 54.000 EUR je zur Hälfte.

 

Das Geld für Tische und Stühle brachten die örtlichen Vereine und die Kirchengemeinde aus eigenen Mitteln auf. »Weil der Raum gefördert wurde, haben darin auch Handwerksfirmen die Arbeiten ausgeführt«, berichtet Hans-Georg Kahmen.


Die ehrenamtlichen Helfer kümmerten sich vorwiegend um das Dachgeschoss. »Hier waren nackte Pfannen zu sehen«, blickt Karl-Josef Düchting zurück. Wenn sich der 64-Jährige heute unter dem Dach der ehemaligen Schule umschaut, sieht er auf hellblaue Wände, einen nagelneuen Linoleumfußboden, einen Kickertisch und die Musikinstrumente der Dorfband Limited Foundation, die hier oben einen neuen Probenraum gefunden hat. Viele Stunden haben Helfer wie Düchting unterm Dach verbracht. Sie versetzten Wände, bauten neue Fenster und Türen ein und isolierten das Dach nach neusten Energiestandards. In der ehemaligen Lehrerwohnung, die die Stadt Lichtenau zuletzt an Sozialhilfeempfänger vermietete, ist ein eigener Raum für die Krabbelgruppen entstanden. Johannes Niggemeyer erinnert sich an eine schwierige Situation während der Bauphase. »Wir mussten den Kickertisch mit einem Kran durch das offene Dach heben, im Treppenhaus wäre es dafür zu eng gewesen.« Um neue Tapeten und Anstriche kümmerten sich die Frauen des Dorfes - auch im Treppenhaus. Dort empfängt die Besucher das Heimatlied »In Henglarn bin ich gern zu Haus« von Clemens Werny, das in goldenen Buchstaben auf die Tapete gedruckt ist.

 

Hubert Diermann vom Bauamt der Stadt Lichtenau schätzt den Geldwert der erbrachten Eigenleistungen der Henglarner auf mehrere zehntausend Euro. »Die ganze Aktion hat nur funktioniert, weil auch die Vereinsvertreter so gut zusammengearbeitet haben und uns örtliche Firmen unterstützt haben«, sagt Johannes Niggemeyer, während er die letzten Holzspäne von der Treppe kehrt. Jetzt kann die Putzkolonne kommen, die die ehemalige Schule für einen Tag der offenen Tür am Sonntag auf Hochglanz poliert. Beginn ist um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst auf dem Schulhof.

 

Weitere Infos:

 

http://www.henglarn.de/geschichten-aus-henglarn/die-schule/

 

11.06.2009
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